Hot, hotter – Dürre?!

Hot, hotter – Dürre?!

Gelb verfärbte Blätter, Risse im Ackerboden: Im Sommer 2013 litten heimische Landwirte unter der extremen Trockenheit. Alles sprach von einem „Dürre-Sommer“. An vielen Orten wurden Hitzerekorde aufgestellt. Zwei Jahre später verzeichnete die ZAMG in Bernstein, Kremsmünster und Linz neue Trockenheitsrekorde – im steirischen Mariazell fielen im Sommer 2015 sogar nur 178 Millimeter Regen, womit der Tiefstwert von 1911 unterboten wurde. Im Norden und Osten Österreichs wurden um 43 Prozent weniger Regen als im Mittel gemessen. Dürreperioden wie diese treffen heimische Landwirte besonders. Bei den Pflanzen steigt die so genannte „Bewässerungsbedürftigkeit“: Die tritt ein, wenn der Wasserbedarf der Pflanze größer ist als die vorhandene Wassermenge durch Niederschlag, kapillaren Aufstieg und verfügbares Grundwasser.

Bisher bewässert aber nur ein Bruchteil der österreichischen Landwirte auf künstlichem Weg, was aus der Agrarstrukturerhebung 2010 herauslesbar ist. Die tatsächlich bewässerte Fläche betrug österreichweit 26.481 Hektar, wobei 18.316.228 m³ Wasser verbraucht wurden. Besonders beliebt ist die Sprinklerbewässerung, allerdings haben Tropf- und Mikrobewässerungsanlagen mit 90 bis 95 Prozent den besten Wirkungsgrad. Die Mehrheit der Landwirte verlässt sich somit auf ausreichend Niederschlag. Im Vergleich zum globalen Durchschnitt sieht die Wasserversorgung auch dank des gemäßigten Klimas in Österreich aber nach wie vor gut aus. Das zeigt sich etwa am niedrigen Anteil der Landwirtschaft am Wasserverbrauch. Während weltweit nämlich rund 65 Prozent des Trinkwassers in die landwirtschaftliche Produktion fließen, sind es in Österreich nur acht Prozent. Damit liegt dieser Sektor hinter Industrie und Gewerbe, sowie den Haushalten. Ob das so bleibt?

Trockene Zeiten

Die FAO rechnet vor, dass wegen der wachsenden Bevölkerungszahlen auch der Wasserbedarf der Landwirtschaft um rund 14 Prozent steigen könnte. Wasserknappheit zählt bereits jetzt zu den größten Risikofaktoren für die Nahrungsmittelproduktion und ist ein Problem, das bisher eher mit armen und hitzegeplagten Weltgegenden in Verbindung gebracht wurde. Immer öfter beeinträchtigt es aber auch die europäische Landwirtschaft. Wie die letzten Sommer zeigten, sind Dürren keine Ausnahmeerscheinung mehr und ein europaweites Problem. Die Dauer und Intensität von Trockenperioden hat in den letzten 30 Jahren deutlich zugenommen und zwischen 1976 und 2003 stieg die Zahl der betroffenen Gebiete und Menschen um zwanzig Prozent. Zu den Zahlen, worauf sich der NÖ Zivilschutzverband bezieht, gelangte die EU-Kommission. Schon im Hitzesommer 2003 waren europaweit mehr als 100 Millionen Menschen von einer großen Dürre betroffen.

Was heißt das aber konkret? Sind das bereits ein paar heiße Tage in Folge?

Als Dürre wird eine außergewöhnliche Trockenperiode von mindestens vier Tagen bezeichnet, die durch Regenmangel und hohe Temperaturen charakterisiert ist. Diese liegen über dem langjährigen mittleren Höchstwert. Die Luftfeuchtigkeit zur Mittagszeit ist auch ein Indikator: Bei einer Dürreperiode erreicht sie nur mehr 40 Prozent. Von landwirtschaftlicher Dürre spricht man, wenn für die durchschnittliche landwirtschaftliche Produktion zu wenig Wasser verfügbar ist. Ernteausfälle sind die Folge. In Ländern, wo große Teile des Trinkwassers in der Landwirtschaft verbraucht werden, kann das auch für die Bevölkerung schlimm enden – indem das Trinkwasser knapp wird. In Österreich stehen jährlich rund 77 Milliarden Kubikmeter Wasser zur Verfügung, wovon rund drei Prozent verbraucht werden. Durchschnittlich liegt der Verbrauch bei 135 Litern pro Tag und Person. Trotz der (noch) günstigen Ausgangssituation wäre es jedoch leichtsinnig, Dürren und ihre Folgen für die Landwirtschaft zu unterschätzen.

Was bringt die Zukunft?

Sich auf eine gleichmäßige Niederschlagsverteilung während der gesamten Vegetationsperiode zu verlassen, wird zunehmend riskant. Allein im Jahr 2013 gab es österreichweit 11.541 Dürre- und Hochwasserschadensmeldungen. Im Vergleich zum Durchschnitt der letzten 15 Jahre entspricht das einem Plus von 50 Prozent. Immer mehr Landwirte sind somit von Dürre betroffen. Zwar herrscht hierzulande gemäßigtes Klima – die klimatischen Veränderungen werden aber immer offensichtlicher. Bei einigen Pflanzen haben sich etwa bereits die Vegetationszeiten gewandelt und Forscher haben berechnet, dass sich die Vegetationszonen in den kommenden Jahrzehnten verschieben. Das betrifft Ostösterreich genauso, wie weiter westlich gelegene Bundesländer wie Salzburg.

Welche Auswirkungen ein deutliches Plus an Hitze und wenig Regen dort haben können, zeigte sich 2013. Damals litt das Wachstum der Futterpflanzen, weshalb die Landwirte in einigen Regionen Wasser auf die Almen bringen mussten und sogar schon von einem frühzeitigen Almabtrieb die Rede war. Szenarien, die im an Wasser reichen Österreich irritieren. Bilder von verdorrten Almwiesen und ausgetrockneten Ackerböden werfen dabei die Frage auf, wie man als Landwirt den Spagat zwischen Anpassung und ressourcenschonender und nachhaltiger Bewirtschaftung meistern kann.

Hightech für mehr Effizienz

Auf Kosten des Grundwassers zu bewässern, ist jedenfalls keine optimale Lösung. Die Folgen davon bekam das Marchfeld bereits in den 1970ern zu spüren. Da wegen der Trockenheit zu viel Grundwasser entnommen wurde, sank der Grundwasserspiegel deutlich ab. Im Marchfeld schwankt er stark und liegt im Mittel bei 154,77 m.ü.A. Je tiefer er sinkt, desto unzugänglicher wird der Wasservorrat für viele Kulturpflanzen. Nicht ohne Grund wird dort oft künstlich bewässert. Doch das kostet: Ein Millimeter Beregnung verursacht laut dem Meteorologen Peter Cepuder von der Universität für Bodenkultur Kosten zwischen drei und sechs Euro pro Hektar (inkl. Abschreibung der Anlage). Umso wichtiger ist eine effiziente Feldbewässerung. Erfahrung und Wetterbeobachtung können mittels modernster Technik unterstützt werden.

Lässt sich die Bewässerung effizienter gestalten, hat dies geringere Betriebskosten und stabilere Ernteerträge zur Folge – wichtige Aspekte für jene Landwirte, die am Forschungsprojekt „EO4Water“ (Earth Observation 4 Water Management) der Universität für Bodenkultur teilnehmen. Im Forschungsprojekt (2012 bis 2015) unter der Leitung von Francesco Vuolo wird mit Hilfe von Satellitenbildern in Kombination mit lokalen Wetterdaten die optimale Wassergabe bestimmt. Das Gebiet, wo die Technik angewandt werden kann, erstreckt sich inzwischen auch auf das Nordburgenland und angrenzende Regionen. Neuerdings gibt es eine App (für das Betriebssystem Android). Inzwischen kann auch der Wassergehalt des Bodens mitberücksichtigt werden, wodurch sich der Wasserstresslevel präziser bestimmen lässt. Präzisionslandwirtschaft wird zwar kontrovers diskutiert, steigert hier jedoch deutlich die Effizienz und fördert eine nachhaltige Produktionsweise. Ist künstliche Bewässerung jedoch der einzig gangbare Weg?

Wasser sparen!

Jene Landwirte, die durch die Dürren der letzten Jahre schwere Schäden davon trugen, haben verschiedene Optionen: Nichts ändern und abwarten getreu dem Motto „business as usual“. Oder in eine möglichst effiziente und somit nachhaltige Bewässerungsanlage investieren. Oder sich damit auseinandersetzen, ob die Kulturpflanze in punkto Wasserversorgung für den Standort nach wie vor die beste Wahl ist. Denn möglicherweise ist langfristig gesehen der Umstieg auf andere Sorten eine Überlegung wert. Darüber hinaus tut man gut daran, in guten – sprich regenreichen Zeiten – vorzusorgen und das Regenwasser etwa in Erdtanks zu sammeln. All das steht ganz im Zeichen der vielbeschworenen „Enkeltauglichkeit“. Prinzipiell gibt es eine ganze Reihe an Handlungsoptionen, um sich als Landwirt auf häufigere und intensivere Trockenperioden einzustellen. Schließlich sollte der niedrige Wasserverbrauch der heimischen Landwirtschaft auch in Zukunft erhalten bleiben. Denn Trinkwasser ist endlich und nicht für jene 30 Prozent der Weltbevölkerung, die keinen Zugang dazu haben, wertvoll – sondern auch für uns.

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