IGP warnt: EU ist auf Schädlingswellen nicht vorbereitet
Wirkstoffkahlschlag entpuppt sich als agrarische- und Versorgungs-Katastrophe. Landwirte werden mit Befall alleingelassen. Schäden im Ernährungssystem drohen bereits heuer.
Der heurige heiße Sommer bringt eine enorme Ausbreitung von Schädlingen in Europa mit sich, die auf Trockenstress-geplagte und damit anfällige Pflanzen treffen. Sie stellen ein hohes Risiko für die Pflanzengesundheit, ausreichende Erträge mit hochwertigen Lebens- und Futtermitteln sowie die Versorgungssicherheit Europas dar, die in vielen Bereichen ohnehin nur durch Importe aus Drittländern aufrechterhalten werden kann. Davor warnt die IGP. „Die EU ist auf einen hohen Schädlingsdruck durch den Klimawandel nicht vorbereitet. Sie hat die Warnungen der Industrie und der Landwirtschaft ignoriert und dem Versorgungssystem mit dem Wirkstoffkahlschlag einen enormen Schaden zugefügt. Auszubaden haben das die Landwirte, von denen viele aufgrund der Ertrags- und damit Einkommensverluste zusperren werden. Das Zulassungssystem und die Regulierung sollten schleunigst an der Pflanzengesundheit ausgerichtet und an die kommenden Herausforderungen angepasst werden, sonst wird die EU-Landwirtschaft zum Museumsstück“, fordert IGP-Obmann Christian Stockmar.
Gibt Feuermelder, aber keinen Feuerlöscher
Die Liste der Schädlinge ist lang: Wiesenschaum-, Glasflügel- und Rebzikade, Japan- und Kartoffelkäfer, Minier-, Orientalische Frucht-, Mittelmeerfrucht-, Kirschessig- und Kohlfliege, Schild- und Blattläuse, Drahtwurm, Maiswurzelbohrer, Marmorierte Baumwanze, Grüne Reiswanze, Falscher Apfelwickler, Tomatenminiermotte, Xylella Fastidiosa und diverse Thripse sind nur 20 der zahllosen Schädlinge, die aktuell für enorme Schäden in der Landwirtschaft in Europa sorgen. Schädlinge finden durch veränderte klimatische Bedingungen zunehmend neue Lebensräume.
Aktuelle Auswertungen der EU-Kommission und der Europäischen und Mediterranen Pflanzenschutzorganisation (EPPO) dokumentieren eine größere Entwicklung: Zwischen 2022 und 2024 nahm die Zahl der erstmals gemeldeten Schädlingsausbrüche kontinuierlich zu. Darunter waren die ersten EU-Ausbrüche des Herbst-Heerwurms, Japankäfers und einigen Fruchtfliegenarten. „Diesem Wissen steht ein leerer Wirkstoffkoffer gegenüber, um die Schädlinge zu kontrollieren. Es gibt einen Feuermelder, aber keinen Feuerlöscher“, kritisiert Stockmar. „Die EU-Kommission ist dem utopischen Ziel eines Nullrisikos beim Pflanzenschutz gefolgt und war auf dem Versorgungsauge blind. Daher wurde übersehen, dass die EU Europas Teller leer reguliert.“
Trendwende herbeiführen – jetzt!
Fehlende oder nicht verlängerte Zulassungen von Pflanzenschutz-Wirkstoffen erhöhen die Risiken entlang der gesamten Lebensmittelkette. Ohne wirksame Mittel breiten sich Unkräuter, Schädlinge und Krankheiten stärker aus, was zu Ertrags- und Qualitätsverlusten, höheren Produktionskosten und einem steigenden Risiko von Belastungen durch natürliche Toxine führt. Die Folgen reichen weit über das Feld hinaus: In der Saatgutvermehrung sinken Qualität und Verfügbarkeit von Saatgut, Betriebe reduzieren Anbauflächen oder geben Kulturen auf, die Sortenvielfalt nimmt ab und die Abhängigkeit von Importen steigt. Gleichzeitig erhöhen zusätzliche mechanische Maßnahmen den Arbeitsaufwand, die Kosten und die Emissionen.
Für Verbraucher bedeutet das langfristig weniger regionale Lebensmittel, geringere Auswahl und höhere Preise. Gewinner der Regulierungswut gibt es keinen. „Die IGP fordert daher wissenschaftlich fundierte, planbare und an der landwirtschaftlichen Praxis ausgerichtete Zulassungsverfahren, damit Landwirte weiterhin über einen vollständigen Werkzeugkasten verfügen und hochwertige, sichere sowie leistbare Lebensmittel unter den hohen europäischen Standards produzieren können. Alles andere wäre in Kriegs- und Krisenzeiten fahrlässig“, so Stockmar.
