Selbstversorgung

Gerade die letzten Jahre brachten Ernteausfälle und zunehmend spürbare Auswirkungen des Klimawandels.  Grenzschließungen und logistische Einschränkungen haben uns die Bedeutung einer regionalen Krisenresilienz vor Augen geführt. Die Zahlen des Grünen Berichts zeigen besorgniserregende Trends mit einer sinkenden Selbstversorgung in Österreich vor allem bei Getreide, Gemüse, Obst und pflanzlichen Ölen.

Kartoffel, Raps und Rübe: Enorme Ausfälle nach Wirkstoffverlusten

Beispiel Kartoffel: Dem steigenden Drahtwurmbefall stehen immer weniger Wirkstoffe gegenüber, dadurch waren 2018 ca. 70 Prozent der Speisekartoffelernte für den Handel unverkäuflich.

Beispiel Raps: Durch den Wegfall der insektiziden Beizen fielen immer mehr Bestände dem Erdfloh zum Opfer und die Anbauflächen der wichtigen Alternativkultur Raps sinken seither dramatisch.

Beispiel Zuckerrübe: Aufgrund diverser Schadfaktoren kam es in den letzten Jahren zu massiven Ernteverlusten. 2018 musste ein Viertel der Fläche wegen Schädlingsbefall umgebrochen werden, 2020 waren es 20 Prozent. Ursache war auch hier der Verlust von Wirkstoffen. Viele Landwirte bauen die Zuckerrübe daher nicht mehr an und die Kultur geht für die Fruchtfolge verloren.

AGES warnt vor Ertragseinbußen durch Klimawandel

Die AGES-Studie „Bodenbedarf für die Ernährungssicherung in Österreich“ sieht die Ernährungssouveränität Österreichs durch Klimawandel und Bodenverbrauch massiv gefährdet. Sie rechnet mit einem Rückgang der Erträge um bis zu 19 Prozent in den kommenden 40 Jahren und einer Unterversorgung bei Getreide, Mais und Kartoffeln bis 2060. Um die Versorgung Österreichs mit wertvollen Nahrungsmitteln aus der heimischen Landwirtschaft zu sichern, sollten daher die besten Böden für die landwirtschaftliche Produktion bewahrt und die Versorgung mit effizienten Betriebsmitteln sichergestellt werden.

Hochwertige Lebensmittel für gesunde Ernährung

Die österreichischen Landwirte produzieren unter den weltweit höchsten Standards. Dementsprechend hoch ist die Zustimmung der Bevölkerung zur heimischen Landwirtschaft und ihren Produkten: Über 90 Prozent sind mit der Qualität zufrieden und vertrauen den Bauern. Die Konsumenten wollen daher hochwertige Produkte aus der Region, die qualitativ einwandfrei sind. Eine klare Mehrheit geht zudem davon aus, dass die österreichischen Bauern verantwortungsbewusst und sorgsam mit Pflanzenschutzmitteln umgehen.

Pflanzenschutzmittel sichern hochwertige Lebensmittel

Ernteprodukte mit Pilzbefall dürfen aus Gründen der Lebensmittelsicherheit weder verarbeitet noch verkauft werden. Unbehandelte Produkte verlieren Form, Farbe und Geschmack, werden schneller ungenießbar und landen im Abfall. Pflanzenschutzmittel sind unerlässlich, damit Gemüse und Früchte gesund in den Laden kommen und länger haltbar sind. Sie garantieren qualitativ hochwertige Lebensmittel.

Aufgaben von Pflanzenschutz

Die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist eine der größten globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Die Weltbevölkerung nimmt zu und die Anbaubedingungen für die Landwirtschaft verschlechtern sich. Pflanzenschutzmittel leisten einen wichtigen Beitrag zur Ertragssicherheit, indem sie Pflanzen vor Unkräutern, Krankheiten oder Schädlingen schützen. Ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kommt es gemäß der Studie „Farming without plant protection products“ des EU-Parlaments weltweit zu dramatischen Ertragseinbrüchen. Sie werden durchschnittlich auf 62 Prozent bei Reis, 60 Prozent bei Kartoffeln, 55 Prozent bei Mais und 48 Prozent bei Sojabohnen geschätzt. Hauptverursacher der Ertragseinbußen sind Unkräuter, die mit den Kulturpflanzen um Licht, Nährstoffe und Wasser konkurrieren.

Pflanzenschutz als Beitrag zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln

Pflanzenschutz trägt zur planbaren und verlässlichen Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen, gesunden, regionalen und leistbaren Lebensmitteln bei. Gleichzeitig erleichtern sie den Landwirten die Arbeit am Feld, sorgen für eine bessere Haltbarkeit der Lebensmittel und schützen die Ernte vor Schadfaktoren.

Die Preise für Lebensmittel konnten so von einem hohen Preisniveau in den 50er Jahren auf ein erschwingliches Niveau gebracht werden: Laut der alle fünf Jahre stattfindenden Konsumerhebung gaben die Österreicher 1954 noch 44,8 Prozent ihrer Verbrauchsausgaben für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke aus, 2014 waren es nur 13 Prozent. Pflanzenschutz ist also ein unverzichtbarer Beitrag zur Ernährungswirtschaft in Österreich.