Gesunde Pflanzen reduzieren Food Loss
IGP zum Internationalen Tag gegen Lebensmittelverluste und -verschwendung: Gesunde Pflanzen sind Voraussetzung für eine sichere Ernte und Selbstversorgung mit heimischen Produkten.
Krankheiten, Schädlinge, Unkraut und zunehmende extreme Wetterbedingungen beeinträchtigen Erträge und Qualität des Ernteguts bereits auf dem Feld erheblich. Basierend auf Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gehen weltweit 13,3 Prozent aller Lebensmittel zwischen Ernte und Handel verloren. Das sind rund 1,31 Milliarden Tonnen pro Jahr. Nicht abgebildet sind dabei Verluste, die vor der Erntereife auf dem Feld entstehen. „Verlustvermeidung beginnt bei gesunden Pflanzen. Was am Feld ausfällt, ist doppelt verloren. Das betrifft die Lebensmittel und alle Ressourcen, die zuvor investiert wurden, wie beispielsweise Bodenbearbeitung, Bewässerung, Dünger, Saatgut, Diesel und Arbeitszeit“, so IGP-Obmann Christian Stockmar. „Gesunde Pflanzen sind kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, dass sie als Lebensmittel tatsächlich beim Konsumenten ankommen. Pflanzenschutz ist damit ein essenzieller Baustein im Kampf gegen Food Loss.“
Rekorddürre im Sommer 2026: Ausfälle schwächen Selbstversorgung
Welche Dimensionen Ernteverluste auch hierzulande annehmen können, zeigt die heurige Erntesaison. Die Landwirtschaftskammer Österreich schätzt, dass die Erntemenge bei Körnermais verglichen mit dem Fünfjahresschnitt um knapp 30 Prozent und bei Sojabohnen um über 50 Prozent einbrechen wird. Die Erträge bei den Erdäpfeln könnten sogar um 50 und bis zu minus 70 Prozent zurückgehen. Auch bei Zuckerrüben und weiteren Feldfrüchten werden teils hohe Verluste erwartet. Ausfälle in dieser Größenordnung schwächen den Selbstversorgungsgrad mit leistbaren, qualitativ hochwertigen und regionalen Lebensmitteln und erhöhen den Importbedarf.
Lebensmittelverluste entstehen aber nicht nur über geringere Ernten. Befallene oder beschädigte Ware wird am Feld, im Lager und im Handel häufiger aussortiert und ist kürzer lagerfähig. Gesunde Pflanzen tragen also dazu bei, Lebensmittelverluste entlang der Wertschöpfungskette zu reduzieren. Bei bestimmten Pflanzenkrankheiten geht es sogar um Lebensmittelsicherheit, etwa wenn Pilzbefall zur Bildung von Toxinen führt. In diesem System leisten der integrierte Pflanzenschutz und Pflanzenschutzmittel einen wesentlichen Beitrag. Werden Unkräuter kontrolliert, bleibt mehr vom knappen Wasser für die Kulturpflanzen. Werden geschwächte Bestände vor Schaderregern geschützt, wird zumindest die schwache Ernte gesichert.
Toolboxes der Landwirte füllen
Landwirte sind auf Innovationen und vielfältige Toolboxes angewiesen. Trotzdem ist die Zahl verfügbarer Wirkstoffe für den Pflanzenschutz in der EU in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Zwischen 2019 und 2026 wurde in der Europäischen Union kein neuer chemisch-synthetischer Wirkstoff zugelassen. Dabei wäre die Zulassung neuer Wirkstoffe ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Ernteausfälle und Lebensmittelverluste, um auf aktuelle Herausforderungen im integrierten Pflanzenschutz und Resistenzmanagement treffsicher reagieren zu können.
Die IGP spricht sich daher für wissenschaftlich fundierte, risikobasierte und fristgerechte Zulassungsverfahren aus, die Planungssicherheit für Landwirtschaft und Industrie schaffen. Hohe Standards für Mensch, Tier und Umwelt bleiben dabei Voraussetzung. Entscheidend ist aus Sicht der IGP, dass sichere Innovationen rascher bewertet werden, um in der Praxis eingesetzt werden zu können.
