IGP warnt: Kartoffelanbau wegen Wirkstoffmangels stark rückläufig
Realität widerlegt EU und NGOs: Kartoffelanbau ist auf effiziente Wirkstoffe angewiesen, andernfalls drohen gravierende Ernteausfälle, ein Flächenrückgang und die Abhängigkeit von Drittländern.
Der Kartoffelanbau ist in Österreich stark rückläufig und flächenmäßig seit 2020 um ein Viertel gesunken, nämlich von 24.251 Hektar 2020 auf nur mehr 18.687 Hektar im Jahr 2024, warnt die IGP. Das wirkt sich enorm auf die Versorgung aus einem regionalen Anbau aus: War der Selbstversorgungsgrad Österreichs von 2000 bis 2009 stets über 90 Prozent, so lag er in den vergangenen 10 Jahren gleich 9-mal unter 90 Prozent. Eine durchgängige Versorgung mit österreichischen Knollen ist damit kaum noch zu gewährleisten.
Schaderregerdruck steigt unaufhörlich
Für die rückläufigen Anbauflächen gibt es neben dem Klimawandel einen Hauptgrund: Schädlinge und Krankheiten wie Drahtwurm, Kartoffelkäfer, Nematoden, Alternaria, Phytophthora, Vektoren wie Blattläuse, die u.a. die Stolbur-Krankheit übertragen, sowie die Kraut- und Knollenfäule. „Sie breiten sich aufgrund der kurzsichtigen Verbotspolitik der EU bei Wirkstoffen ungebremst aus. So gibt es gegen den Drahtwurm, den Kartoffelkäfer und die Kraut- und Knollenfäule als bedeutsamste Schaderreger kaum noch wirksame Wirkstoffe, was die Bekämpfung und ein effizientes Resistenzmanagement erschwert“, kritisiert IGP-Obmann Christian Stockmar. Davor warnen auch agrarische Vertreter in der Bauernzeitung.
Das Ausfallrisiko ist dadurch so hoch, dass viele Landwirte Kartoffeln aufgrund der drohenden wirtschaftlichen Schäden nicht mehr anbauen. Der Handel deckt die Nachfrage mit Kartoffeln aus Drittländern wie etwa Ägypten, wo der Anbau in der Wüste und unter hohem Ressourceneinsatz stattfindet. Daher kommt das Thema bei den Konsumenten nicht an.
EU-Agrarpolitik braucht Trendwende
„Die Reduktion der Nahrungs- und Futtermittelproduktion in der EU ist ein hausgemachtes Problem. Umgesetzt wird all das im Namen der Umwelt. Wie der für den Hunger der EU notwendige Anbau in Drittländern die Umwelt retten soll, können aber weder EU noch NGOs beantworten. Dieser Irrweg könnte sich als Bumerang für die Versorgungssicherheit in Europa erweisen. Für die Konsumenten drohen Teuerungswellen und eine sinkende Qualität, in der Landwirtschaft eine neue Welle des Bauernsterbens“, kritisiert IGP-Obmann Christian Stockmar.
„Die gesunde Pflanze ist in Europa gefährdet. Dadurch verlieren wir die Fähigkeit zur Selbstversorgung, unsere Lebensmittelversorgung verliert an Nachhaltigkeit durch die Auslagerung der Produktion in Drittländer und die Innovationskraft der Industrie wird mit fehlender Planbarkeit, kaum zu schaffenden Anforderungen und Rechtsunsicherheit gebremst. Es braucht daher dringend eine Trendwende, um eine nächste Welle des Bauernsterbens zu verhindern“, fordert IGP-Obmann Christian Stockmar. Er stellt klar: „NGOs behaupten, ein Anbau ohne Wirkstoffe sei möglich. Die Realität zeigt, dass sie damit falsch liegen.“
Schaderreger verursachen allein bei Kartoffel Schäden in Milliardenhöhe
Die Kraut- und Knollenfäule kann binnen weniger Tage ganze Ernten vernichten und verursacht in der EU jährlich Schäden in der Höhe von rund 900 Millionen Euro. Der Drahtwurm wird aufgrund fehlender Wirkstoffe und damit einem wirksamen Resistenzmanagement immer mehr zu einem Problem und breitet sich österreichweit immer stärker aus. Seine Schäden sind in Form kleiner Löcher und dahinterliegenden, mit Exkrementen gefüllten Fraßgängen klar erkennbar. Er schädigt die wertvollen Knollen vor allem bei hoher Trockenheit. Die Ausfälle liegen regional zwischen 10 Prozent im Jahr 2023 und bis zu 80 Prozent im Jahr 2022. 2018 hat er für die Landwirtschaft allein in Österreich Umsatzverluste in der Höhe von 40 Millionen Euro verursacht.
Ein Pflanzenbauversuch der IGP mit der LFS Hollabrunn 2023 hat gezeigt, dass bei einem Verzicht auf Insektizide ein enormer Befall mit Kartoffelkäfern und deren Larven droht. Auf der behandelten Fläche wurden pro Pflanze im Schnitt 0,86 kg geerntet, auf der unbehandelten nur 0,37 kg.