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IGP Dialog: EU-Agrarpolitik sollte Wissenschaft und Markt folgen

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Experten sehen in EU-Verbotspolitik und Konflikt Bio- gegen konventionelle Produktion eine Gefährdung von landwirtschaftlichen Betrieben, Umwelt und Versorgungssicherheit.

Die Maßnahmen im Rahmen des Green Deal stellen die europäische Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Sie soll bei sinkendem Betriebsmittel- und Ressourceneinsatz anhaltend hohe Erträge erzielen. Die Expertinnen und Experten beim IGP Dialog sowie IGP-Obmann Christian Stockmar warnen angesichts der EU-Verbotspolitik jedoch vor unlösbaren Aufgaben für die Betriebe, die zum Schließen gezwungen werden, negativen ökologischen Folgen und steigenden Preisen für die Konsumenten. Sie fordern beim 11. IGP Dialog zum Thema „Operation gelungen, Bauer tot: Können Bauern zwischen EU-Verbotspolitik und Preisdruck noch bestehen?“, dass alle Stakeholder in den Diskurs einbezogen und wissenschaftliche Fakten für politische Entscheidungen herangezogen werden. Im Fokus der Diskussion standen Lösungsansätze für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion. Die Expertinnen und Experten am Podium waren Marlies Gruber (Geschäftsführerin des forum. ernährung heute), Ernst Karpfinger (Obmann Die Rübenbauern), Thomas Resl (Geschäftsführer agrarconsultants) und Keynote-Speaker Harald von Witzke (Vorstandssitzender Thaer Forum für Agrikultur). Durch die Veranstaltung in der Sky Lounge der Raiffeisen Bank international (RBI) führte Ursula Riegler. Die Veranstaltung steht auf Youtube zur Nachschau bereit.

Stockmar: Braucht EU-Agrarpolitik mit Hausverstand

Im Rahmen des 11. IGP Dialogs blickte Obmann Christian Stockmar auf die bisherigen zehn Veranstaltungen zurück, die eine breite Themenvielfalt von der Ernährungs- und Versorgungssicherheit über Forschung und Zulassung bis hin zu besseren Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft reichten. Zudem präsentierte er das neue, angepasste Logo der IGP. Anschließend betonte Stockmar, dass sich die Wirkstoffe und Formulierungen bei Pflanzenschutzmitteln enorm weiterentwickelt haben und eine sichere Anwendung gewährleisten. Verzichten Landwirte auf modernen Pflanzenschutz, kommt es zu einem Befall von Schaderregern, die die Erträge minimieren oder – etwa bei hohem Unkrautdruck – zu einem Totalausfall führen können. Er kritisiert daher die geplanten Vorgaben der EU-Kommission, den Pflanzenschutz deutlich einzuschränken: „Dann fehlen Erträge, obwohl die Landwirte Betriebsmittel, Arbeitskraft und Landmaschinen einsetzen. Das ist eine Verschwendung von Ressourcen und verursacht den Betrieben Kosten. Die Industrie steht für eine Transformation hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft auf Basis von wissenschaftlichen Fakten und mit Hausverstand. Die IGP hat dazu den Innovation Deal in den Diskurs eingebracht, der Maßnahmen in der Kommunikation, beim Wissenstransfer, bei modernen Technologien sowie Forschung und Entwicklung fordert.“

Pröll: Ökologie leidet unter Konflikt der Bewirtschaftungsweisen

Josef Pröll unterstrich in seinen Grußworten die Bedeutung von Foren zum gemeinsamen Austausch über die künftige Ausrichtung der Landwirtschaft. Er warnte im Jahr 2015 als Keynote-Speaker der ersten Veranstaltung vor einem Ausspielen von biologischer und konventioneller Produktion. „Heute stelle ich leider fest, dass die Politik und viele Einflüsterer nicht eingesehen haben, dass es beides braucht. Die Ökologie als aktuell höchstes Ziel der EU-Agrarpolitik leidet unter dieser Entwicklung. Aufgrund des Minderertrags werden unökologisch produzierte Lebensmittel importiert. Wir sollten daher eine nachhaltige Selbstversorgung sicherstellen, die landwirtschaftlichen Betriebe unterstützen und die EU-Agrarpolitik wieder an den Märkten ausrichten.“

Von Witzke: Innovation und Produktivität fördern

Der weltweite Nahrungsbedarf steigt seit dem Jahr 2000 stetig an. Gründe dafür sind das rasante Bevölkerungs- und Einkommenswachstum in den Entwicklungsländern. „Innovation und Produktivitätswachstum müssen daher im Zentrum einer nachhaltigen EU-Landwirtschaft und Agrarpolitik stehen. Sie sind notwendig, um die landwirtschaftliche Produktion ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig zu gestalten. Aber die agrarpolitischen Rahmenbedingungen der EU führen zum Gegenteil, weil sie nur die lokalen Umwelt- und Klimaeffekte betrachtet. Die Renaturierungsstrategie und der Green Deal fordern geringere Anbauflächen und einen reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, was zwangsweise zu geringeren Erträgen und einer Verringerung der globalen Agrarproduktion führt. Durch Brandrodung oder das Umwandeln von Gras- in Ackerland werden die weltweiten Agrarflächen ausgedehnt, was eine Steigerung der Emissionen von Klimagasen sowie den Verlust von natürlichen Lebensräumen und Biodiversität verursacht“, so Harald von Witzke.

Diskussion: Forderung nach Dialog, Bildung und Forschungsförderung  

Ernst Karpfinger betonte, dass wirksame Pflanzenschutzmittel benötigt werden, um die Versorgungssicherheit weiterhin zu gewährleisten. „Die Bedrohung durch Schädlinge wird schlimmer, der Werkzeugkoffer der Landwirte zur Bekämpfung aber stetig kleiner. Durch die Verbotspolitik der EU haben wir in den letzten zehn Jahren ein Viertel der Wirkstoffe verloren und die Zulassung neuer Substanzen wird zunehmend schwieriger. Sollten die Verbote in diesem Tempo weitergehen, wird es die Landwirtschaft, wie wir sie kennen, bald nicht mehr geben.“

Für die Lösungsfindung braucht es eine sachliche und faktenbasierte Diskussion unter allen Beteiligten: „Nur ein Zusammenspiel von Wissenschaft, Technik, Pflanzenschutz und Landwirten kann den Maßnahmenmix erzeugen, den es braucht, um die Herausforderungen zu bewältigen. So kann es gelingen, ein Leben ohne Einschränkungen und nicht auf Kosten anderer zu führen“, stellte Thomas Resl klar.

Um die globale Ernährungssicherheit zu gewährleisten, muss die Verschwendung von Lebensmitteln eingedämmt werden. „Um nachhaltige Kauf- und Konsumentscheidungen zu treffen, braucht es eine fundierte Ernährungs- und Verbraucherbildung. Hier kann der Dialog zwischen Konsumenten und Erzeugern helfen, dass Verbraucher den Wert der Produkte besser verstehen. Um Verständnis zu schaffen, gilt der Grundsatz ‚aufklären statt verklären‘“, so Marlies Gruber.

Bilder

Bild 1 – Gruppenbild (v.l.n.r.): Thomas Resl (Geschäftsführer agrarconsultants), Keynote-Speaker Harald von Witzke (Vorstandssitzender Thaer Forum für Agrikultur), Marlies Gruber (Geschäftsführerin des forum. ernährung heute), IGP-Obmann Christian Stockmar, Moderatorin Ursula Riegler, Josef Pröll (Generaldirektor Leipnik Lundenburger) und Ernst Karpfinger (Obmann Die Rübenbauern).

Bild 2: IGP-Obmann Christian Stockmar betonte, dass es eine EU-Agrarpolitik mit Hausverstand braucht.

Bild 3: Josef Pröll sprach Grußworte und blickte auf 10 Veranstaltungen der IGP-Dialog-Reihe zurück.

Bild 4: Agrarpolitik sollte Innovation und Produktivität fördern, so Harald von Witzke in seiner Keynote.

Bild 5: Mehr Dialog und Bildung forderte das Panel beim IGP Dialog.

Bild 6: 75 Gäste waren beim IGP Dialog dabei.

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